Neptun 22

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Gebrauchtboot Tipp aus der Yacht 17/1998

Ein echter Evergreen - die Neptun 22 - war der Yacht nach Jahren wieder mal einen Bericht wert.

   
Neptun 22 - Küstenkreuzer - Gebrauchtboot Tipp
 
Neptun 22

Ein Oldie, der zu den Rennern auf dem Gebrauchtboot-Markt zählt. Der Bericht klärt, was ihn so erfolgreich macht.

   

Er ist begehrt, gesucht und gefragt, der Küstenkreuzer Neptun 22. Ein Einsteigerschiff für das Fahrtensegeln mit kleiner Crew oder Familie. Trailerbar und leicht zu segeln. Tausendfach gebaut, verfeinert und bewährt. Die Konstruktion geht zurück auf den Anfang der siebziger Jahre.

Trotzdem werden diese Gebrauchtyachten noch heute zu stabilen Preisen gehandelt. Zwischen 15.000 und 22.000 Mark muss ausgeben, wer einen dieser gut erhaltenen und gut ausgestatteten 22 Fuß-Segler segeln will. Die große Nachfrage erklärt sich aus den gleichermaßen simplen wie genialen Konzept des Schiffes. Es bietet auf ihrer 6,80 Metern Länge ausreichend Platz und Komfort zum Wohnen und Schlafen unter Deck. Gleichzeitig wartet es mit passablen Segel- und Seegangsverhalten auf.

Für vergleichbare aktuelle Neuboote von Bénéteau, Jeanneau oder Dehler müssen ungleich höhere Investitionen getätigt werden, je nach Typ zwischen 40.000 und 60.000 Mark für die segelfertige Ausführung.

Gebrauchte Neptuns sind in aller Regel sogar besser ausgestattet als Neuboote. Wenigstens AP-Navigator, wenn nicht GPS ist an Bord. Dazu kommt meistens eine überkomplette Segelgarderobe mit mehreren Vorsegeln. Sprayhood, "Kuchenbude" und Heizung gehören häufig zur Ausrüstung, wenn die Ostsee das Heimatrevier des Schiffes war.

   

Innenausbau - Wohnen

Die Qualität des Innenausbaus läßt sich am heutigen Serienbaustandard nicht messen. Das Schiff zeigt weder edles Ambiente noch hochwertige Handwerksarbeit unter Deck. Hölzer sind eher einfach verarbeitet und muten etwas billig an.

Hinzu kommen durch die Nutzung der Voreigner mehr oder weniger starke Gebrauchsspuren. Furnierte Kanten an den Möbeln sind schon mal abgesplittert oder wölben sich, weil der Kleber nicht mehr haftet. Renovierungsbedürftig sind meist die Polsterstoffe oder bisweilen die kompletten Polster mit Schaumstoffkern.

Doch die Spuren der Zeit ändern nichts an dem hohem Nutzwert der jeweiligen Einrichtungen. Das Schiff hat im Vorschiff eine dreieckige Doppelkoje. Sie bietet zwei Erwachsenen so gerade eben Platz, besser eignen sich die Liegeflächen für junge Nachwuchsskipper. Die gängige Neptun-Variante hat eine klassische Anordnung mit klappbarem Salontisch in der Mitte und jeweils eine Sofakoje an Backbord und Steuerbord.

Die Pantry in der Neptun wirkt sehr provisorisch. Der Kocher wird aus einer Seitenverkleidung herausgeklappt. Das spart zwar Platz, lädt aber weniger zum Kochen ein. Das WC ist auf der Neptun ein Extra.

   

Deckslayout - Cockpit

Das Schiff hat ein familienfreundliches Cockpit. Es ist lang und breit genug, um vier Personen ausreichend Platz zu bieten. Das Deckslayout ist geprägt von Sachzwängen, wie viel Raumgewinn unter Deck. Daraus resultiert ein schmales Laufdeck und ein relativ "buckliger" Kajütaufbau. Gleichwohl bist dem Schiff eine gewisse Harmonie nicht abzusprechen. Manche Eigner haben sich die fallen ins Cockpit gelegt. Auf fachgerechte Verarbeitung von Umlenkrollen und Hebelstoppern sollten Sie beim Kauf achten.

 
Segeleigenschaften

Mit der Neptun 22 lässt es sich bei Bedarf recht sportlich segeln. Lebendig, gut ausgetrimmt und angenehmes Verhalten im Seegang sind die Attribute dieses Bootes. Es eignet sich ebenso vortrefflich zum entspannten Wandersegeln.

 
Typische Schwachpunkte

Das Schiff hat keine typenspezifischen Schwachpunkte. Beim Kauf sollte auf die üblichen potentiellen Mängelquellen geachtet werden. Besonders das Tauwerk, die Segel und der Motor sollten einer eingehenden Prüfung unterzogen werden und wären Diskussionspunkte bei der Preisverhandlung.

Nicht alle Vorbesitzer haben das Material pfleglich behandelt und beispielsweise verschlissene Fallen oder Schoten ausgetauscht. Ob das Schiff rundum wasserdicht ist, klärt natürlich erst der Probeschlag (Kielbolzen, Bodenventile) und ein scharfer Wasserstrahl von allen Seiten auf Luken und Fenster.

 
Unterhaltungskosten

Ein wesentlicher Grund für die starke Nachfrage an gebrauchten Neptun 22 sind sicherlich die geringen Unterhaltskosten im Verhältnis zum gebotenen Spaßpotential. Das Schiff eignet sich nicht nur für die Wochenendtörns, sondern ebenso für einen ausgedehnten Segelurlaub mit Familie.

Dafür muß relativ wenig bezahlt werden. Liegeplätze, Kranen, Winterlager und Instandhaltung sind im unteren Kostenlevel des Hobbys Segeln angesiedelt. Wer umgerechnet monatlich etwa 250 Mark veranschlagt, der kann damit alle laufenden Ausgaben abdecken, inklusive Unterwasseranstrich und Versicherung.

 
Die Marktsituation

Das Angebot ist für die in großen Stückzahlen gebaute Neptun 22 recht groß. Hier werden Versionen mit und ohne Hubdach angeboten. Niedrige Ausgaben für die Unterhaltung, überschaubare Kosten bei der Anschaffung, akzeptable Konzeption und bewährte Bauweise machen den Kajütkreuzer zu den Spitzenreitern unter den gebrauchten Segelbooten bis 7,50 Meter.

Hinzu kommt, daß die Neptun problemlos von einem Mittelklasse - PKW getrailert werden kann. Die Neptun wiegt etwa eine Tonne, je nach Ausrüstung. Vor der Abreise sollte man allerdings besser auf einer öffentlichen Waage eine Wiegetest machen! Aus der Summe der Pluspunkte erklärt sich die Nachfrage.

Und weil die ja den preis reguliert, wird heute für eine gebrauchte Neptun fast soviel oder mehr gezahlt als vor knapp zwanzig Jahren. Damals kostete die Neptun 22 um die 18.000 Mark.

 
  • Rumpflänge 6,80m
  • LWL 6,00 m
  • Breite 2,40 m
  • Tief. mit Schwert 1,05 m
  • Tiefg. o. Schwert 0,55 m
  • Segelfläche 20,0 m²

Konstrukteur war Anton Miglitsch. Die nicht mehr existente Neptun-Werft baute von der 22er 2400 Einheiten.

Einstandspreis 1971:
18.000 Mark

   
Als schiffige kleine Yacht zeigt sich die Neptun. Sie verfügt allerdings nicht über einen abgeteilten WC-Raum.
   
Download des Testberichts als PDF Yacht Test 1971
Quelle: Yacht Heft 17, Ausgabe 1998 weiter weiter
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